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Konsequenzen des Ukraine-Krieges

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder,

der Krieg in der Ukraine erschüttert und verunsichert uns alle. Viele von Ihnen leisten bereits tatkräftig Hilfe: Durch die Unterbringung von Flüchtlingen, durch Ihr Engagement in Hilfsorganisationen und Stiftungen, durch das Sammeln oder Geben von Spenden, durch die öffentlich sichtbare Solidarität mit der Ukraine in Kundgebungen oder in den Sozialen Medien. Es ist gut zu wissen, dass wir in Solidarität mit den Menschen in der Ukraine vereint sind.

Ich möchte Ihnen mit dieser Mail kurz meine Einschätzung und Gedanken auch aus Sicht unseres Verbandes schildern.

Der Krieg ist in erster Linie ein Angriff auf das ukrainische Volk, dem wir uns fest verbunden fühlen. Der Krieg ist aber auch ein Angriff auf die Freiheit, auf das Recht und auf die Selbstbestimmung. Wenn die NATO, die EU und die Bundesregierung nun der Ukraine helfen und Russland sanktionieren, ist dies auch ein Eintreten für Prinzipien, die für uns fundamental sind und die ja gerade wir im Verband immer wieder einfordern. Deswegen unterstütze ich die Bundesregierung ausdrücklich in ihrem aktuellen Handeln. Ich appelliere zugleich an alle Verantwortlichen, unser Handeln im Verbund mit der NATO und der EU so auszurichten, dass wir keinen Vorwand für eine Ausweitung der russischen Aggression liefern. Mir ist sehr bewusst, dass der Grat zwischen wirksamer Abschreckung und Eskalation sehr schmal ist. Aber wir müssen alles daran setzen, dass er gelingt.

Unsere Betriebe und wir als Bürgerinnen und Bürger spüren die Folgen der Sanktionen bereits jetzt und werden sie weiter spüren. Die wirtschaftlichen Folgen werden auch viele Menschen in Deutschland hart treffen. Da wir erst am Beginn des Konfliktes zu stehen scheinen, müssen auch wir Ausdauer und Leidensbereitschaft an den Tag legen und uns dabei vor Augen führen, dass mehr auf dem Spiel steht als aktuelle ökonomische Erwägungen. In Demut wissen wir, dass die Opfer der Ukrainer, aber auch die der russischen Bevölkerung, um ein Vielfaches höher sind als unsere.

Während wir die EU und die Bundesregierung grundsätzlich unterstützen, fordern wir sie zugleich auf, nicht nur die Außen-, Verteidigungs- und Energiepolitik zu überdenken. Auch im Bereich der Land- und Forstwirtschaft ist ein Umdenken nötig: Russland und die Ukraine stehen für ein Viertel der weltweiten Weizenimporte. Die globale Nahrungsmittelversorgung ist noch stärker als ohnehin schon bedroht. Der Krieg treibt die Preise weiter in die Höhe. EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski und die EU-Agrarminister haben deshalb angekündigt, den EU Green Deal zu überprüfen und das Produktionspotenzial der europäischen Landwirtschaft freizusetzen. Ich begrüße das ausdrücklich: Die Politik des EU Green Deal, die das Ziel hat, produktive Acker- und Waldflächen aus der Nutzung zu nehmen oder extensiver zu bewirtschaften, muss auf den Prüfstand. Und ich ergänze: Nicht nur das Potenzial der Landwirtschaft, auch das der nachhaltigen Waldbewirtschaftung muss gestärkt werden. Darum begrüße ich die Aussage, dass der EU Green Deal in der jetzigen Form nicht weiterverfolgt werden kann.

Im Rahmen der Energiewende wird uns nun schmerzlich vor Augen geführt, welche Risiken die Abhängigkeit von Importen mit sich bringt. Wir sollten daraus die Lehren ziehen und nicht die heimische Produktion von Nahrungsmitteln, Holz und weiteren Rohstoffen unnötig politisch erschweren – zumal aktuelle Studien zeigen, dass der EU Green Deal nicht klimawirksam ist, sondern die Produktion nur verlagert. Übrigens: Es ist schon ein bemerkenswertes Eingeständnis des EU-Kommissars, dass der EU Green Deal die Ernährungssouveränität offenbar beeinträchtigen würde.

Die zentrale Aufgabe für die Zukunft ist daher, die Ziele der Ernährungssicherung, des Klima- und des Artenschutzes miteinander in Einklang zu bringen.

Sie sehen: Die aktuellen Krisen besorgen mich, und diese Sorge steigt. Ich werde daher in den kommenden Tagen mit einem gesonderten Schreiben zum EU Green Deal und unseren Vorschlägen auf Sie zukommen.

Ich wünsche uns allen, dass wir heil durch diesen Krieg in Europa kommen und bin in Gedanken sehr bei den Ukrainern sowie bei den bereits zahlreichen Hinterbliebenen und Flüchtlingen.

Mit besorgten Grüßen
Ihr
Max v. Elverfeldt